Gabriele Hennicke

freie Journalistin · Textbüro
· Öffentlichkeitsarbeit &PR

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Mächtigste Tanne Baden-Württembergs

An der Sirnitz in der Nähe des Kohlgarten , etwas unterhalb  der Landstraße 131 von Badenweiler nach Schönau, steht die mächtigste Tanne Baden-Württembergs. Im bundesweiten Ranking nimmt sie den vierten Platz ein. Grund genug, ihr einen Besuch abzustatten.

Über 51 Meter hoch

Man muss schon ein ganzes Stück von ihr entfernt sein, um sie in ihrer ganzen Größe wahrnehmen zu können. Schließlich ist die Weißtanne 51,2 Meter hoch und überragt damit alle anderen Bäume in ihrer Umgebung. Der Stammumfang in einem Meter Höhe umfasst 6,35 Meter, ihr Durchmesser beträgt in Brusthöhe 1,78 Meter, sie ist etwa 300 Jahre alt. Wenn Förster Wolfgang Huber seine Arme zur Seite ausstreckt, erreicht die Spannweite seiner Arme in etwa die Breite des mächtigen Baumstamms. Einen eindeutigen Namen hat die alte Dame, die ihren Standort in 820 Metern Höhe beim früheren Weiler Sirnitz hat, nicht. Der Revierförster Wolfgang Huber spricht von der „Großen Tanne am Klemmbach“, andere von der „Sirnitz-Tanne“, wieder andere von der Großvater-Tanne auf Müllheimer Gemarkung. Auf jeden Fall ist Wolfgang Huber stolz auf die Weißtanne, die er seit 27 Jahren unter seiner Fittiche hat, und verweist auf die erst 2012 von einem Trupp der Bundeswald-Inventur durchgeführte Vermessung. Verschiedene  Listen alter Baumexemplare existieren im Internet, und nicht bei allen besteht Einigkeit, welche denn nun die dickste oder höchste Tanne im Schwarzwald sei, weiß der Förster.  „Egal ob dickste oder stärkste, auf jeden Fall gehört dieser Baum zu den Baumgiganten Deutschlands, wenn nicht sogar Westeuropas“, so Huber. Auch über den abgegangenen Weiler Sirnitz weiß der Förster zu berichten: wo heute nur noch offene Wiesen, das frühere Forsthaus und die Ruine des in den 90 Jahren abgebrannten Gasthauses Auerhahn stehen, war bis ins 19. Jahrhundert ein Weiler mit vier Lehnhöfen.  Die Bewohner stellten  Holzkohle für die Eisenverhüttung in Niederweiler und Kandern her und betrieben eine karge Höhenlandwirtschaft. Das Gasthaus war Relaisstation für den Holztransport von Münstertal zu den Eisenwerken.

 

Direkt am Klemmbach, an einem  Weg, der die frühere Hauptverbindung von Schönau nach Badenweiler war, steht der Baum der Spezies Abies alba. „Die Tanne hat nur wenige Meter vom Bach entfernt den idealen Standort. Der Bach ist Tankstelle und Überlebenselexier für sie“, erklärt Huber, „die relativ geschützte Lage in der Klamm hat sie all die vielen Stürme im Lauf ihres langen Lebens überstehen lassen.“ Nur wenige hundert Meter oberhalb sorgte 2005 der Sturm „Gerrit“ für riesige Schäden und legte innerhalb weniger Minuten 6000 Festmeter Holz um.

Eine Höhle für mindestens ein Kind

Am Fuße des Baumes hat sich eine große Höhle im Stamm gebildet. Ein Kind fände auf jeden Fall in der Höhle Platz, vielleicht sogar ein  Erwachsener, meint der Förster. Wenn man den mächtigen, mit Moos und Flechten bewachsenen Stamm hinaufschaut, sieht man einen großen Kranz abgestorbener Äste und nur Teile der Baumkrone. „Die Tanne ist im Greisenalter, noch bildet  sie jedes Jahr neue Seitenzweige aus. Sie wird aber immer lichter und nadelt immer mehr“, sagt der Förster, „vermutlich wird sie in 20 bis 30 Jahren absterben. Man sollte ihr also nochmal die Ehre erweisen und sie besuchen.“ Damit das leichter fällt, möchte Huber einen kleinen Parkplatz an der Landstraße anlegen von dem aus man in wenigen Schritten zur Tanne gelangt. Im Jahr 2000 hat er ein Schild aufstellen lassen, das die Größe mit 45 Metern beschreibt. Trotz des hohen Alters hat die Tanne also noch deutlich zugelegt, auch am Brustumfang. Eine besondere Pflege erfährt der Baumgigant  nicht, lediglich zu nahe stehende Bäume habe man entfernt, so Wolfgang Huber. Und nach ihr schauen müsse er regelmäßig, denn je älter die Tanne werde, bestehe eben auch die Gefahr, dass Äste oder gar der ganze  Baum Stürmen nicht mehr standhalten könne. 42 Festmeter Holz würde der Baum momentan liefern, zwei Langholz-Transport voll wären das, erläutert der Fachmann. Doch ans Fällen  will Huber noch lange nicht denken.

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